Betriebliches Mobilitätsmanagement ist hoch effizientes Gesundheitsmanagement

// HR-IT-Management, Vertrauenskultur

Die Wahl des Verkehrsmittels hat großen Einfluss auf die Gesundheit

Mitarbeiter, die ganzjährig mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, haben im Jahresdurchschnitt 36 % weniger Krankheitstage als die Kollegen, die diese Fahrt mit dem Pkw zurücklegen. So das Ergebnis einer neuen Studie der EcoLibro GmbH, bei der insgesamt ca. 2.200 Berufstätige aus ganz Deutschland befragt wurden. Gleichzeitig sind diese Mitarbeiter 10 % zufriedener, wie sich anhand eines Fragenkatalogs der WHO herausgestellt hat.

Weiterhin wurde anhand der Angaben zur Häufigkeit der sportlichen Aktivitäten herausgefunden, dass der Einfluss des Sports auf die Anzahl der Fehltage deutlich geringer ist als die Art und Weise, wie man den Weg zur Arbeit zurücklegt. Es gab quasi keinen Zusammenhang zwischen Gesundheit und der Häufigkeit sportlicher Aktivitäten. So wie auch schon andere Sportwissenschaftler wie beispielsweise Prof. Froböse erkannt haben, braucht der Körper regelmäßige und moderate Bewegung: Mit dem Fahrrad oder zu Fuß ins Büro bekommt er genau das 10-mal pro Woche, morgens hin und abends zurück.

Abbildung 1: Verkehrsmittel und Krankheitstage »Ganzjährige Fahrradfahrer und Fußgänger sind gesünder« (Eigene Darstellung)

Was bedeutet das für Unternehmen?

Es gibt kaum eine wirkungsvollere Methode, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu fördern, als das betriebliche Mobilitätsmanagement. Damit erhält dieses Instrument einen ganz neuen Stellenwert. Betriebliches Mobilitätsmanagement stellt die bewusste Gestaltung der Rahmenbedingungen jeglicher – durch den Betrieb ausgelöster – Mobilität der Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten dar. Durch die integrierte Gestaltung von Fuhrpark, Geschäftsreisen und der Mobilität der Mitarbeiter auf dem täglichen Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte wird das Ziel verfolgt, die Mobilität effizienter, umwelt- und sozialverträglicher, attraktiver und eben auch gesünder zu gestalten.

Doch wie soll das gelingen, wenn viele Mitarbeiter zu weit entfernt wohnen, um die Strecke zu Fuß oder mit dem Rad zurückzulegen? Und was machen Mitarbeiter, die regelmäßig auf Geschäftsreisen sind und dabei auf den Pkw, die Bahn oder den Flieger angewiesen sind? Und selbst diejenigen, die nah genug am Unternehmen wohnen und eigentlich aus eigener Kraft zur Arbeit kommen könnten, ziehen den Pkw oftmals aus Bequemlichkeit, Gewohnheit oder aus anderen Gründen vor. Insbesondere diejenigen, die wegen ihrer Bedeutung für das Unternehmen einen Firmenwagen zur geschäftlichen und privaten Nutzung erhalten, steigen auf ihren regelmäßigen Wegen am wenigsten auf aktive, sprich gesundheitsfördernde Verkehrsmittel um.

Integration von betrieblichem Mobilitätsmanagement im Arbeitsalltag

Betriebliches Mobilitätsmanagement verfügt über viele Register. Die Kunst besteht darin, die richtigen zu ziehen und so miteinander zu kombinieren, dass ein System entsteht, in dem die Mitarbeiter dazu motiviert werden, nachhaltiger mobil zu sein, im Sinne von wirtschaftlich, ökologisch und gesund. Auf der Grundlage einer fundierten Analyse sowohl der geschäftlich notwendigen Reisen als auch der täglichen Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ist zunächst der für die Belegschaft sinnvolle Mix an Verkehrsmitteln zu erarbeiten, vollkommen unabhängig vom heute gelebten Mobilitätsverhalten. Geleitet von der Frage, welche objektiven Vor- und Nachteile die verschiedenen Verkehrsmittel und -kombinationen auf den konkreten Wegen bieten. Es sind Prozesse zu gestalten und ggf. mit moderner Software zu unterstützen, die den Mitarbeitern die Planung und Buchung eines nachhaltigen Mobilitätsmix vereinfachen und gleichzeitig in die gewünschte Richtung lenken. Und schließlich sind Anreize auszugestalten, die die Motivation zur Nutzung eines nachhaltigen Mix der verschiedenen Verkehrsmittel steigern.

Bei Firmenwagenberechtigten stellt das Mobilitätsbudget einen wichtigen Baustein dar

Ein Firmenwagen verursacht dem Unternehmen Kosten, je nach Größe und Nutzungsintensität können da mit allen Betriebskosten mehr als 10.000 € pro Jahr zusammenkommen. Hinzu kommen ggf. Kosten für Geschäftsreisen mit anderen Verkehrsmitteln. Was passiert, wenn man dem Mitarbeiter statt des Firmenwagens ein Budget gibt, von dem er seine geschäftlichen und privaten Reisen in eigener Verantwortung bestreiten muss und von dem er die Ersparnisse aufgrund veränderten Verhaltens als Prämie ausgezahlt bekommt? Wird er sich dann automatisch den gleichen (zu) großen Firmenwagen leisten oder wird er stattdessen ein kleineres Fahrzeug wählen, kraftstoffsparender fahren und bewusster das anlassbezogen wirtschaftlichere Verkehrsmittel nutzen, um in den Genuss der Prämie zu gelangen?

Die Erfahrung aus dem privaten Umfeld, aber auch aus ersten betrieblichen Beispielen, in denen bereits so verfahren wird, zeigt, dass ein hoher Anteil der Mitarbeiter sein Verhalten sehr schnell verändert, sobald sich die monetären Vor- und Nachteile im eigenen Geldbeutel auswirken. Neben den monetären Effekten, die das ansonsten so schwerwiegende Statussymbol Firmenwagen deutlich reduzieren, erhalten individuelle Bedürfnisse ein ganz anderes Gewicht, auf die eine CarPolicy nach üblichem Schema kaum eingehen kann.

Vollkosten berücksichtigen, um die volle Wirkung des Mobilitätsbudgets zu entfalten

Manche Firmen praktizieren schon seit langem ähnliche Konstrukte, die sich aber in allen dem Autor bekannten Fällen nur an der Leasingrate bzw. bestenfalls an theoretischen Vollkosten gemäß einer kalkulatorischen Laufleistung orientieren. Die volle Wirkung kann ein Mobilitätsbudget aber erst dann entfalten, wenn es darüber hinaus auch die durch das Nutzungs- und Mobilitätsverhalten beeinflussbaren Kosten ebenfalls berücksichtigt. Wie sehr senkt eine vorausschauende, ressourcenschonende Fahrweise die Kraftstoff- und Schadenskosten? Wie viel wird eingespart durch eine kostenbewusste Verkehrsmittelwahl oder durch bessere Termin- und Tourenplanung?

Auf dem täglichen Weg zur Arbeit, genauso aber auch auf der letzten Meile zwischen Zielbahnhof und Reiseziel, bleibt dann eher mal der Pkw oder das Taxi stehen, nicht nur zugunsten des eigenen Budgets, sondern vor allem auch zugunsten der eigenen Gesundheit.

Damit der monetäre Anreiz des Mobilitätsbudgets nicht durch Abzug von Steuern und Sozialabgaben zu großen Teilen dahin schmilzt, wie dies bei einer einfachen Gehaltserhöhung der Fall ist, kommt es darauf an, diesen steuerlich optimal zu gestalten. Bei geschickter Ausgestaltung kann eine Versteuerung nach § 37b EStG als Sachbezug mit pauschal 30 % erfolgen.

 


EcoLibro GmbH

Michael Schramek

GESCHÄFTSFÜHRENDER GESELLSCHAFTER

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