Improvisation und Unternehmenskultur

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In schwierigen Situationen ist Improvisationstalent wichtig, um handlungsfähig zu bleiben.

 

IMPROVISATION

„Vorläufige und von vornherein zeitlich befristete Regelungen (in Abgrenzung zur Organisation). Es handelt sich um ad-hoc-Regelungen, die intuitiv (gefühlsgesteuert) oder heuristisch (erfahrungsbedingt) getroffen werden. Sie haben meist nur vorläufigen Charakter, da auf die sorgfältige Analyse der ihnen zugrunde liegenden Entscheidungssituationen verzichtet wird. Improvisation ist ein Zeichen mangelnder Organisation (Unterorganisation). 

Improvisation wird in der Organisationslehre der Organisation gegenübergestellt. Während durch Organisation eine dauerhafte und umfassende Strukturierung arbeitsteiliger Systeme angestrebt wird, handelt es sich bei der Improvisation um die Strukturierung einer begrenzten Zahl von Fällen. Mit der Improvisation verbindet man häufig die Vorstellung einer nicht gründlich durchdachten Lösung; diese Kennzeichnung ist jedoch nicht generell zutreffend.“

Aus: http://www.wirtschaftslexikon24.com/d/improvisation/improvisation.htm

Uwe Rotermund, CEO von noventum consulting, spricht in einem Interview über den Zusammenhang von Improvisation und Unternehmenskultur.

novum: Herr Rotermund, in Ihren Vorträgen, bei Veranstaltungen sowie in Publikationen bringen Sie immer wieder das Element der „Improvisation“ in den Zusammenhang mit Management und Führung. Einer Ihrer festen Veranstaltungspartner ist bezeichnenderweise das Improvisationstheater placebo, in dessen Workshops die Improvisationsfähigkeit der Teilnehmer angeregt und geschult wird. Warum Improvisation im Business?

Uwe Rotermund: Tatsächlich, weil nicht alles organisiert werden kann. Es gibt viele Bereiche im alltäglichen Arbeiten, die von Überraschung geprägt sind. Gerade in schwierigen Situationen ist Improvisationstalent wichtig, um handlungsfähig zu bleiben. Gute und erfahrene Manager wissen, wann mit Improvisation die besseren Ergebnisse zu erzielen sind und wann Improvisation eher gefährlich ist.

novum: Zielen Sie mit Ihrer „Improvisationsbotschaft“ eher auf die Entscheiderebene, oder ist diese Idee generell für berufliche Situationen geeignet?

Uwe Rotermund: Natürlich kommt in der einen oder anderen Art jedermann in die Situation, improvisieren zu müssen oder zu können. Das hat mit dem Maß an Entscheidungskompetenz nicht so viel zu tun, auch wenn Entscheidungssituationen wie geschaffen sind für Improvisation.

novum: In der betriebswirtschaftlichen Literatur wird Improvisation oft als Handwerkszeug für Innovation bzw. Innovationsmanagement genannt, manchmal auch für Krisenmanagement. Dem gegenüber stehen die Elemente „Organisation“ und „Planung“. Wenn Sie die Begriffe Improvisation und Organisation einander gegenüberstellen, was fällt Ihnen spontan zu dieser Gegenüberstellung ein?  Und weiter gefragt, geht Innovation nur mit Improvisation?

»Improvisation ist mehr als eine Ausweichmethode in Situationen der Orientierungslosigkeit«

Uwe Rotermund: Man darf den Faktor Improvisation nicht als notwendiges Übel in Situationen der Orientierungslosigkeit missverstehen. Er benennt eine Haltung der Freiheit vom Plan, bewusst gewählt, um Neues zu entdecken oder zu ermöglichen. Das hilft bei Innovationsprozessen, wenn es um beispielsweise neue Produkte oder Vorgehensweisen geht. Aber natürlich hilft das auch in Krisenmomenten, wenn man nicht auf Bekanntes zurückgreifen kann, die Erfahrung also alleine nicht ausreicht. Die Ergebnisse verschiedener Haltungsmuster – Organisation und Planung einerseits, Improvisation andererseits – zahlen alle in den Erfahrungsschatz ein.

Nach diesem Muster gehen wir auch bei unseren Veranstaltungen und Workshops vor: erst die Analyse, dann die spielerische Lockerung und Improvisation, dann mit allem Ernst und zugleich aller Freiheit die Frage: was tun? Wir beschäftigen uns mit ganz normalen Herausforderungen des geschäftlichen Alltags mit diesem veränderten Instrumentarium. Diesen „normalen“ Hintergrund braucht das Ganze aber auch, denn ohne Ziel fehlt der Improvisation die Kraft.

»Mache den Anderen groß «

novum: Der Gegenstand von Improvisationstrainings ist primär in der zwischenmenschlichen Kommunikation angesiedelt. Eine Impro-Regel lautet „Den Anderen groß machen“. Das klingt nicht nach Konkurrenz und Wettbewerb. Wie alltagstauglich sind solche Übungen und welche Werthaltung steht für Sie hinter einer solchen Regel?

Uwe Rotermund: Ich bin überzeugt davon, dass Wettbewerb keine gute Strategie ist, denn Wettbewerb bedeutet Energieverlust und die Notwendigkeit, einen definierten „Kuchen“ zu „teilen“. Reiner Wettbewerb schwächt auch den Sieger, Kooperation ist die bessere Strategie. So wie beim Improvisationstheater ein Maximum an Kooperationsbereitschaft dazu gehört, aus wenigen Fakten gemeinsam etwas Gutes zu schaffen, so sind auch dessen Regeln: „Mache den Anderen groß“, „Sage ja“, „Retten ist Pflicht“, alles kooperative Haltungen reinsten Wassers.

novum: Im Herbst dieses Jahres (am 25. September 2015) laden Sie zum Business unusual Forum 2015 ein. Hier machen Sie das Querdenken zum impliziten Bestandteil Ihres Veranstaltungsnamens. Der Titel der Veranstaltung lautet „Quo vadis Management? Von der mächtigen Pyramide zum energiegeladenen Netzwerk.“ Was erwartet Ihre Besucher beim BUF 2015?

Uwe Rotermund: Zum Ersten ein „Managementexorzist“, ein Mann, der erklärt, Management ist nicht nur überflüssig, sondern schädlich. Ganz so weit würde ich persönlich nicht gehen, aber das macht es besonders spannend. Beim BUF bringen wir provokante Statements, provokante Keynotes. Wir lassen uns von klugen Denkern über Managementtheorien informieren und inspirieren. Anschließend diskutieren wir diese in interaktiven Kleingruppen und überprüfen sie auf ihre Praxistauglichkeit. Ziel ist es, den Menschen Mut zur Veränderung zu machen.

»Quo vadis Management? «

novum: Und was wünschen Sie sich von Ihren Besuchern?

Uwe Rotermund: Dass sie viel Offenheit mitbringen, viel Erfahrung, viel Meinung und die Bereitschaft, sich damit in die Veranstaltung aktiv einzubringen. Dafür haben wir besonders das „barcamp“ Format eingeführt, in dem sich Gäste mit eigenen Beiträgen einbringen können, sich und ihre Ansichten der offenen Diskussion aussetzen, das Gespräch mit den anderen suchen. Wir haben schon spannende Beiträge angekündigt bekommen und sind gespannt, was bis September noch alles kommt.

novum: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg beim Business unusual Forum!

 

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