SAP BusinessObjects Design Studio

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„WAD adé?!“

 

Im November 2012 wurde von SAP die erste Version des Design Studio als Nachfolger des Web Application Designer (WAD) für Kunden freigegeben. Mit dem Design Studio können Berichtsapplikationen für Webbrowser und mobile Endgeräte in einer auf Eclipse basierenden grafischen Oberfläche erstellt werden. Nach dem Zusammenschluss von SAP und BusinessObjects im Jahr 2008 wurden größte Anstrengungen unternommen, die Welten SAP BW/Business Explorer (BEx) und BusinessObjects zu integrieren. Mit der Einführung der BI Platform 4.0 (BIP) und der BI Consumer Services (BICS) Schnittstelle gab es hierbei einen wichtigen Durchbruch. Dennoch lässt bei Werkzeugen wie z.B. Web Intelligence unter Verwendung der BICS-Schnittstelle die Integration mit dem SAP BW teilweise noch Wünsche offen.


Um eine Antwort auf die Frage nach nahtloser Integration mit SAP BW zu geben, wurden die auf Ad-Hoc-Analysen ausgerichteten Analysis-Produkte (Office/OLAP) als Nachfolger des BEx Analyzer entwickelt. Hierbei wurden SAP BW Datenquellen in den Fokus gestellt. Mit dem Design Studio wird dieser Ansatz nun auch für webbasierte Standardberichte und Dashboards konsequent weiterverfolgt und eine „Premium-Alternative“ zum WAD angeboten. Damit wird in den kommenden Monaten ein wichtiger Grundstein gelegt, sich ernsthaft mit der Ablösung von BEx-Berichtswelten auseinanderzusetzen.

Vor diesem Hintergrund stellen sich viele Fragen:

  • Wie wird sich das Design Studio in die Palette des SAP BusinessObjects Portfolios einfügen?
  • Ist das Design Studio eine ernstzunehmende Alternative zum WAD?
  • Was sind Stärken und Schwächen des Design Studio?
  • Wie sieht die zukünftige Weiterentwicklung des Design Studio aus?
  • Sollte das Design Studio bei Projekten „auf der grünen Wiese“ berücksichtigt werden?
  • (Wann) Sollten bestehende BEx-Berichtswelten abgelöst werden?


Im Folgenden werden wir versuchen, einige Antworten auf diese Fragen zu geben.


Der erste Eindruck

Das Design Studio ist folgendermaßen aufgebaut:

Auf der linken oberen Seite der Oberfläche befindet sich ein Bereich mit den einfügbaren Berichtskomponenten („Components“). Darunter werden die eingebundenen Datenquellen und die hierarchische Struktur der ausgewählten Applikation dargestellt („Outline“). Im mittleren Bereich werden in separaten Tabs die gerade geöffneten Applikationen angezeigt. Auf der rechten Seite lassen sich die Eigenschaften für die aktuell ausgewählte Komponente verändern („Properties“).

Im Vergleich zum WAD wirkt die Oberfläche insgesamt viel moderner und übersichtlicher. Während der Entwicklung erfolgt für eingefügte Berichtskomponenten nach Zuweisung einer Datenquelle eine direkte Datenanbindung, sodass bereits im Entwicklungsmodus das letztendliche Endergebnis zu sehen ist („What you see is what you get“). Das Design Studio erfordert daher nicht den sonst bekannten und leidigen Zyklus aus Anpassen, Ausführen, Korrigieren, erneutem Ausführen, etc.

Mit der aktuellen Version 1.1 des Design Studios sind bereits viele gravierende Schwachstellen der initialen Auslieferung behoben worden. Trotzdem sind die Einstellungsmöglichkeiten und Funktionen der einfügbaren Komponenten im Vergleich zu Werkzeugen mit einer längeren Historie (z.B. WAD) noch sehr rudimentär. Lässt man sich von dieser Tatsache nicht abschrecken, wird man auf den zweiten Blick aber einige sehr interessante und vielversprechende Details entdecken.

 

Bemerkenswertes auf den zweiten Blick

Das Design Studio wurde von der SAP ohne eine – ansonsten fast obligatorische – vorgezogene Ramp-Up-Phase freigegeben. Trotzdem läuft das Design Studio in der allerersten Version absolut stabil. Die angebotenen Funktionalitäten sind intuitiv und halten nahezu fehlerfrei, was sie versprechen.

Auf den ersten Blick werden alle SAP BW Query Einstellungen unterstützt. Insbesondere im Vergleich zu Web Intelligence unter Verwendung der BICS-Schnittstelle präsentiert sich mit dem Design Studio eine bessere BW-Integration.

Abbildung 1: Datenquellen im Vergleich

 

Das wohl wichtigste Paradigma bei der Erstellung von Design Studio-Applikationen ist das sogenannte „Scripting“. Die Applikation selbst und nahezu alle Berichtskomponenten bieten – vergleichbar mit Customer Exits – vordefinierte Bereiche, um Codes für die Interaktion mit dem Anwender zu hinterlegen. Die Ausführung des Codes wird eventgesteuert angestoßen (Button-Klick, Selektion einer Zeile, etc). Durch den integrierten Script Editor ist man in der Lage, sich ohne jegliche Programmierkenntnisse schnell mit den Möglichkeiten vertraut zu machen und nach kurzer Zeit komplexe, interaktive Anwendungen zu erstellen.
Für die Formatierung von Design Studio-Applikationen lassen sich ab der Version 1.1 CSS-Stylesheets verwenden, um globale Formatierungsklassen zu definieren. So lassen sich Formate für eine Vielzahl von Komponenten an einer zentralen Stelle pflegen. Die CSS-Unterstützung bietet eine hervorragende Basis für zukünftige Standardfunktionalitäten bei Formatierungen (z.B. unternehmensindividuelle Themes).
Ein weiteres interessantes Detail ist die Interoperabilität zwischen Design Studio und Analysis for Office. Analysesichten, die unter Verwendung von Analysis for Office erstellt wurden, können mit dem dort definierten Aufriss Filter, Merkmals-/Hierarchieeinstellungen und sogar Berechnungen per Knopfdruck („Smart Copy“) als Datenquelle in eine Design Studio-Applikation eingefügt werden.
Die webbasierten Design Studio-Applikationen lassen sich auch auf mobilen Endgeräten wie Tablet oder Smartphone anzeigen. Aus dem Client heraus ist es sogar möglich, automatisch einen QR-Code zu generieren, der den Verweis auf den Bericht beinhaltet und vom mobilen Gerät eingelesen werden kann. Für iPad und iPhone lässt sich zudem die „SAP BI“ App installieren, um darüber Zugang zu Berichten auf der BIP zu erhalten.

Abbildung 2: Beispielapplikation auf mobilem Endgerät
Abbildung 3: SAP BusinessObjects Frontend Portfolio

Einordnung in das SAP BusinessObjects Portfolio

SAP BusinessObjects Design Studio positioniert sich klar als Nachfolger des WAD. Das zentrale Paradigma der Interaktion zwischen einzelnen Komponenten erinnert dabei stark an SAP BusinessObjects Dashboards. Allerdings präsentiert sich diese grundlegende Idee durch die Scripting- Möglichkeiten in einer erfrischend aufbereiteten Form.
Das Design Studio ordnet sich in den Bereich der Werkzeuge für analytische Applikationen ein. Die Berichtserstellung erfordert einen gewissen Grad an Know-how im Umgang mit dem Werkzeug und ist damit eher zentral zu organisieren (IT-Abteilungen, BI Competence Center oder Power User). Den letztendlichen Endanwendern bzw. Berichtsempfängern können die fertigen Applikationen dann zur Ausführung zur Verfügung gestellt werden. SAP wird das Thema Self-Service BI allerdings langfristig in allen angebotenen Frontendwerkzeugen weiter vorantreiben.

Für neue Berichtsanforderungen bzw. BI-Projekte im Umfeld von SAP BW und SAP HANA kann das Design Studio bereits in der Version 1.1 eine sinnvolle Alternative zum bereits bekannten WAD sein. Zwar wird man in diesem Szenario insbesondere bei technischen Details einen kleineren Funktionsumfang gegenüber dem WAD in Kauf nehmen müssen, erhält dadurch aber mit dem Design Studio ein moderneres und stärker auf Endanwender bezogenes Werkzeug und kann zudem einen möglichst frühen Know-how-Aufbau erreichen.
Über eine Ablösung bestehender BEx-Berichtswelten (insbesondere WAD) sollte sinnvollerweise erst mit Freigabe der Version 1.2 – also gegen Ende des Jahres – ernsthaft nachgedacht werden. Erst ab diesem Zeitpunkt wird es auch größere Klarheit darüber geben, ob bzw. wie gut die seitens SAP (teil)automatisierte Migration von WAD-Applikationen in Design Studio-Applikationen unterstützt wird. Eine reine 1:1 Migration mit dem Ziel, lediglich das Werkzeug im Hintergrund auszutauschen, macht unserer Meinung nach wenig Sinn. Wenn ein Unternehmen den Schritt von BEx hin zu SAP BusinessObjects gehen möchte, sollte diese Gelegenheit genutzt werden, um die teilweise über Jahre unverändert angebotenen BI-Funktionalitäten zu hinterfragen und ggf. anzupassen. Neben den im Einzelfall zu betrachtenden Funktionsanforderungen und bestehenden Funktionalitäten sind natürlich auch immer Lizenzkostenaspekte zu berücksichtigen.
In jedem Fall ist es erforderlich, eine effiziente und effektive unternehmensindividuelle Strategie für den Einsatz von SAP BusinessObjects Produkten zu definieren. Die Empfehlungen und die Produkt-Roadmaps der SAP sind hierfür eine gute Basis. Allerdings sind diese immer unter Berücksichtigung der individuellen Umstände zu betrachten und kritisch zu hinterfragen.


Einen guten Anhaltspunkt für das Abwägen dieser zwei
Aspekte bieten die Empfehlungen der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG):
https://www.dsag.de

 

Fazit

Das Design Studio hat ein sehr großes Potential. Die Weiterentwicklungen im Jahr 2013 und insbesondere die Freigabe der Version 1.2 voraussichtlich gegen Ende des Jahres werden die Basis für den produktiven Einsatz sein und in Kombination mit den Analysis-Produkten die Ablösung bestehender BEx-Berichtswelten ermöglichen. Unternehmen, die SAP BW für DWH- oder sogar E-DWH-Lösungen im Einsatz haben, sollten daher die Entwicklungen in diesem Bereich im Auge behalten.

noventum consulting

Marco Nielinger

Senior Consultant

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