Herausforderung RZ-Umzug

Übersicht und Projektmanagement sind das A und O eines gelungenen Standortwechsels

 

Müssen alle IT-Systeme in ein anderes Rechenzentrum umziehen, ist dies aufgrund der heutigen komplexen IT-Strukturen oft eine besondere Herausforderung für die betroffenen IT-Abteilungen. Der Aufwand, ein komplettes Rechenzentrum unter Einhaltung der vereinbarten Service Level umzuziehen, ist enorm. Meistens gibt es keine oder nur geringe Erfahrung mit einem solchen Umzug. Der Arbeitsaufwand übersteigt oft die verfügbaren personellen Ressourcen. In der Regel wird zur Bewältigung dieser Aufgabe extern Know-how dazugekauft oder sogar der komplette RZ-Umzug an einen kompetenten Dienstleister übergeben.

AM ANFANG STEHT DIE DOKUMENTATION

Trotzdem bleibt immer noch viel Arbeit selbst zu erledigen. Grundlage eines Umzuges ist zunächst immer die vorhandene Dokumentation. Mit der Qualität der Dokumentation  steht und fällt der gesamte Umzug und daher ist die Erfassung der Ist-Situation, also die sorgfältige Erfassung aller Anwendungen, Systeme, Infrastrukturen, deren Schnittstellen und nach Möglichkeit auch ihrer Abhängigkeiten von immenser Wichtigkeit. Sie bildet die Grundlage für die Umzugsplanung. Werden Systeme übersehen oder einzelne Abhängigkeiten ignoriert, rächt sich das in der Regel mit Serviceausfällen oder -einschränkungen während der Durchführung.

VOR DEM UMZUG ALLES OPTIMIEREN?

Typischerweise wird der Versuch gemacht, bei der Planung des neuen Rechenzentrums alles zu optimieren, was sich im Bestand aus vielen Gründen nicht optimieren ließ. Oft jedoch führt der Optimierungswunsch dazu, dass noch mehr Abhängigkeiten in der Umzugsplanung berücksichtigt werden müssen als ohnehin schon existieren. Und nicht selten ist das Resultat, dass so einiges, was man gerne in Verbindung mit dem Umzug gelöst haben möchte, anschließend nicht funktioniert.

Die Computerwoche hat es vor 2 Jahren einmal als „Todsünde“ bezeichnet, einen Umzug mit anderen Projekten zu kombinieren. Die Erfahrung lehrt, dass das grundsätzlich stimmt. Allerdings können die Weiterentwicklungen insbesondere in großen Rechenzentren oft nicht so lange aufgehalten werden, wie ein Umzug dauert. Das „Einfrieren“ eines Rechenzentrums ist also nicht möglich und daher ist es wichtig, einen Prozess zu etablieren, der die ständigen Veränderungen kontinuierlich aufnimmt und in die Umzugsplanung einarbeitet. Nur damit ist sichergestellt, dass die Grundlage der Umzugsplanung zu jedem Zeitpunkt korrekt ist.

GLEICHZEITIGE VERÄNDERUNGEN ERSCHWEREN DEN REIBUNGSLOSEN UMZUG

Nichts ist ärgerlicher, als wenn am Umzugstermin z.B. stundenlang ein System gesucht werden muss, das einige Tage vorher abgebaut wurde. Grundsätzlich sollte vermieden werden, einen Rechenzentrumsumzug parallel zu anderen großen geplanten Veränderungen in der IT-Landschaft durchzuführen. Neben der hohen Änderungshäufigkeit und den damit verbundenen Aufwänden für die Neuplanungen, werden auch zusätzliche Anforderungen an die Umzugsplanung gestellt und verursachen damit u.U. terminliche Einschränkungen bzw. Abhängigkeiten. Der Abstimmungs- und Steuerungsaufwand steigt dadurch erheblich an.

 

DETAILLIERTE UMZUGSPLÄNE FÜR TEILSYSTEME REDUZIEREN DIE KOMPLEXITÄT

Ist das „Was“ und „Wohin“ geklärt, stellt sich die Frage nach dem „Wie“. Neben den technischen Möglichkeiten sind auch Aspekte wie Zeitaufwand, Kosten und Sicherheit zu berücksichtigen. Abhängig von den Rahmenbedingungen und den funktionalen Abhängigkeiten wird für jedes einzelne System der Zeitpunkt und das technische Verfahren des Umzugs spezifiziert. Vom technisch einfachen Aus-/Einbau und Transport eines Systems bis hin zu einem aufwendigen Parallelaufbau der gesamten IT-Umgebung ist hier alles möglich. Prinzipiell gilt, je höher die Anforderung an die Verfügbarkeit und Sicherheit ist, desto aufwendiger und teurer wird ein Umzug. Mit dem Umzug abgestimmte Wartungsfenster können hier helfen, die Kosten deutlich zu reduzieren. Aus diesem Grund sollte nicht nur das technisch Machbare und vertraglich Vereinbarte berücksichtigt werden, sondern es muss auch geprüft werden, was mit den Kunden gegebenenfalls zusätzlich vereinbart werden kann.

 

TESTPHASE UND FEHLERSUCHE MÜSSEN EINGEPLANT WERDEN

In der Regel ist das Zeitfenster zwar groß genug für die geplanten Maßnahmen, jedoch ist meist kein oder kein großer Zeitpuffer für eine Fehlersuche übrig. Daher müssen alle Vorbereitungen in hohem Maße qualitätsgesichert werden.  Dazu ist in der Planungs- und Konzeptionsphase bereits bei der Definition der Maßnahmen/Umbauten die Testbarkeit zu berücksichtigen und es sind umfangreiche Testpläne zu erstellen. Maßnahmen, die keine oder nur eingeschränkte Möglichkeiten für Tests bieten, sind zu vermeiden. Wo es jedoch technisch nicht anders oder nur mit viel Aufwand möglich ist, muss im Einzelfall die Durchführung mit einer Risikoabschätzung bewertet werden.

Wenn dann nach sehr viel Arbeit für die Vorbereitung und Planung endlich der Tag des Umzugs kommt, zeigt sich, wie gut alles vorbereitet wurde. Gesteuert von einer zentralen Koordinationsstelle und nach den vorbereiteten Ablaufplänen für diesen Umzugstag werden alle Maßnahmen von den Teams abgearbeitet und zurückgemeldet. Nach Abschluss der Umzugsaktivitäten wird die Betriebsfähigkeit des neuen Rechenzentrums und der umgezogenen IT durch abschließende Tests bestätigt. Damit ist das neue Rechenzentrum nun offiziell in Betrieb gegangen.

AUFGABEN NACH DEM UMZUG

Was verbleibt, sind die üblichen Aufräumarbeiten. Fehler, die während des Umzugs aufgetreten sind, sind zu analysieren und zu beheben. Der größte Teil der Aufräumarbeiten wird jedoch das alte Rechenzentrum betreffen. Hier muss alles, was dort verblieben ist, geordnet außer Betrieb genommen und abgebaut werden. Die Erfahrung mit vergangenen RZ-Umzügen zeigt, dass die Dauer dieser Arbeiten meist unterschätzt wird, da man davon ausgeht, dass in dem alten Rechenzentrum nichts mehr in Betrieb ist. Auch wenn die alten Systeme nicht mehr aktiv sind, gibt es aber immer noch die Schnittstellen zum neuen Rechenzentrum. Dies betrifft insbesondere Komponenten wie zentrale Storage- und Netzwerktechnik. Hier ist immer eine ordentliche Außerbetriebnahme im Rahmen der geltenden Changeverfahren durchzuführen. Mal „so eben“ ausschalten und ausbauen funktioniert leider nicht.

DIE TECHNIK IST OFT NICHT DAS PROBLEM

Oft sind die größten Hürden eines RZ-Umzugs nicht die technischen Themen. Die gravierendsten Herausforderungen sind die nicht ausreichenden personellen Ressourcen für die Durchführung des Umzugs, eine unzureichende Dokumentation und die fortlaufende Veränderung der IT-Landschaft während der Planung der Umzüge.


noventum consulting

Stefan Wolters

Management Consultant

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