Kooperation schlägt Wettbewerb

von

Wenn der Schatten der Zukunft lang ist

Thank God it’s Monday. Da bin ich konsequent. Heute ist ein ganz besonderer Montag, an dem manche von Euch vielleicht sagen „Thank God, Christmas time is over“ oder nach Karl Valentin „Wenn die stille Zeit vorbei ist, dann wird es auch endlich wieder ruhiger“. An dem heutigen Weihnachtsmontag möchte ich einige Gedanken zum Thema Kooperation statt Wettbewerb mit Euch teilen.

Als Unternehmer, der sich seit nunmehr über 20 Jahren im „Wettbewerb“ befindet, hatte ich immer das persönliche Bedürfnis, eher zu kooperieren statt zu kämpfen. Ich glaube, so bin ich programmiert. Von daher hatte ich immer eine große Freude daran, auch mit meinen Wettbewerbern im BITKOM, im IT Forum Nordwestfalen, in der Great Place to Work Community sowie in einigen Unternehmerverbänden offen zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen. Die Angst, dass ich dadurch einen Vorteil leichtfertig verschenke, ist mir fremd. Schließlich geht es in unserem Geschäftsmodell nicht darum, mit patentierbaren Produkten einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen, sondern über Beratungsqualität immer wieder neu einen außerordentlichen Kundennutzen zu schaffen und dafür ist die ständige Suche nach neuen Ideen in der Diskussion mit den anderen Beratungsunternehmen sehr hilfreich.

Besonders gefreut hat mich daher, dass die Management Coaches und Autoren Thomas Kottmann und Dr. Kurt Smit vor einiger Zeit auf mich aufmerksam geworden sind und in ihrem neuen Buch „Führungsethik“ meine Haltung zu Wettbewerb, Kooperation und Vertrauenskultur beleuchten wollten. Stolz machte mich auch, in einer Reihe mit den Persönlichkeiten Roland Berger, Claus Hipp und Titus Dittmann zu stehen. Das Buch ist dann in 2014 erschienen und hat mir die Augen geöffnet, wie sehr Vertrauenskultur mit Kooperationsfähigkeit verbunden ist und was das mit unternehmerischem Erfolg zu tun hat.

Hier nun die Grundzüge der in dem Buch „Führungsethik – Erkenntnisse aus der Soziobiologie, Neurobiologie und Psychologie für wertorientiertes Führen“ dargestellten Empfehlungen, die die Einschätzung von Adam Smith aus dem 18. Jahrhundert, dass Wettbewerb der Motor des Fortschritts ist, für das 21. Jahrhundert deutlich in Frage stellt. Laut Smith führt das „eigennützig-rationale Streben des einzelnen Wettbewerbers nach maximalem Gewinn zugleich zu steigendem Gemeinwohl“. Die Ideen von Smith wurden von zahlreichen Wirtschaftstheoretikern aufgegriffen und verfeinert. Aus diesen Vorstellungen hat sich in unserer Gesellschaft eine regelrechte Wettbewerbsideologie entwickelt. Wir schicken unsere Kinder auf Schulen, in denen ihre Wettbewerbsfähigkeit mittels Noten gemessen wird. Manager werden nicht müde, den Konkurrenzkampf als Krieg zu bezeichnen und Mitarbeiter sehen ihre Kollegen als Wettbewerber, die es möglichst auszustechen gilt im Kampf um die Sprossen der Karriereleiter. Diese Ideologie zu hinterfragen ist natürlich ein gewagtes Unterfangen.

Wie sieht es nun konkret mit der Nützlichkeit des Wettbewerbs zwischen Unternehmen aus, der angeblich zu Innovation und Fortschritt führt?

Dazu meint der Paypal-Mitgründer und erste Investor bei Facebook, Peter Thiel, dass Wettbewerb grundsätzlich schädlich für Unternehmen sei. Letztere seien nur dann erfolgreich, wenn sie sich ein Alleinstellungsmerkmal erarbeiten, d.h. gut darin sind, Wett­bewerb zu vermeiden. Hohe Umsatzrenditen kann nur derjenige erzielen, der etwas grundsätzlich Neues erfindet und so, zumindest für eine gewisse Zeit, keine Wettbewerber im Markt hat. Soweit Peter Thiel. Offensichtlich denken Unternehmen, die sich in einem „blue ocean“ der Einzigartigkeit statt einem „red ocean“ des Gemetzels bewegen, primär in Kooperationen statt an Wettbewerb. Klingt gut, aber wie kommt man dorthin? Mir ist desbezüglich die von Dr. Kerstin Friedrich verbreitete „Engpasskonzentrierte Strategie“ EKS sehr hilfreich, die auf nachhaltige Nutzenmaximierung statt Gewinnmaximierung setzt. Hierzu werde ich in meinem nächsten Blogartikel detaillierter eingehen.

Was für Kooperation vs. Wettbewerb unternehmensübergreifend gilt, möchte ich auch für den Umgang innerhalb eines Unternehmens betrachten. Ist es für den einzelnen Mitarbeiter eine bessere Strategie, die Kollegen als Wettbewerber zu sehen oder sollte er stattdessen mit ihnen kooperieren? Dieser Frage ist der Organisationspsychologe Adam Grant nachgegangen. Er untersuchte den beruflichen Erfolg von Managern, Vertriebsmitarbeitern und Studenten in Dutzenden Studien und zwar in Abhängigkeit vom Grad ihrer Hilfsbereitschaft. Grundsätzlich werden hierbei drei sogenannte Reziprozitätstypen unterschieden:

  • Geber helfen, wenn ihre Kosten für die gewährte Hilfe niedriger sind als der daraus resultierende Profit des Anderen.
  • Tauscher sind auf Ausgleich bedacht. Sie möchten aber mindestens so viel zurückbekommen, wie sie investiert haben.
  • Nehmer helfen, wenn sie davon überzeugt sind, mehr zurückzubekommen, als sie investieren.

Grant fand in allen Studien heraus, dass die Geber beruflich von allen am erfolgreichsten sind, gefolgt von gleichsam erfolgreichen Nehmern und Tauschern im Mittelfeld und wiederum Gebern als Schlusslicht.

Die erfolgreichen und erfolglosen Geber unterscheiden sich darin, dass erstere sich nicht ausnutzen lassen, während letztere bedingungslos immer helfen. Der Erfolg dieser Reziprozitätstypen kann mit Hilfe der Spieltheorie quantitativ nachvollzogen werden. Dabei stellt sich heraus, dass das für die Karriere des Einzelnen förderliche Geber-, d.h. Kooperationsverhalten, auch für das Unternehmen zur maximalen Produktivität führt. Daraus wiederum lässt sich ableiten, dass eine Kernaufgabe von Führungskräften darin besteht, ein Klima der Kooperation im Unternehmen zu erzeugen und aufrechtzuerhalten. Weil es so wichtig ist, wiederhole ich:

„Eine Kernaufgabe von Führungskräften ist die Erzeugung und Aufrechterhaltung eines Klimas der Kooperation“.

Die wichtigste Komponente ist dabei die Schaffung einer Unternehmenskultur, die von Vertrauen und Wertschätzung geprägt ist. Diese wird durch die Führungskräfte maßgeblich dadurch geprägt, dass über alle Ebenen eine Haltung von Glaubwürdigkeit, Respekt und Fairness verankert ist und dass diese, z.B. gemäß den Methoden des Great Place to Work® Instituts,systematisch durch Kulturaudits und Mitarbeiterbefragungen analysiert und weiterentwickelt wird.

Sowohl bei der unternehmensübergreifenden Kooperation wie auch bei Kooperation im Unternehmen gilt: Je länger der „Schatten der Zukunft“ ist, d.h. je größer die Chance ist, dass man auch in der Zukunft gemeinsame etwas gestaltet, desto mehr lohnt es sich für alle Akteure, zu kooperieren und damit zum Gemeinwohl beizutragen.

Ich hoffe, dass wir gemeinsam einen langen Schatten der Zukunft haben, wünsche Euch an dieser Stelle alles Gute für eine glückliche und erfolgreiche Zukunft und ganz konkret einen schönen Übergang in das Jahr 2017, das Ihr hoffentlich mit den Menschen verbringen könnt, die Euch ganz besonders wichtig sind.

 

Ich bin auf Eure Kommentare und Hinweise gespannt!

 

Im neuen Jahr bin ich wieder montags zu Stelle, dann mit Gedanken und Erfahrungen zu einer nutzen- statt gewinnorientierten Marktausrichtung im Sinne von EKS, welche am Ende schließlich doch zu ordentlichen Gewinnen führt.

 

 

Wichtige Literatur zum Thema

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