Unsere agile Agenda - ein Blick in die Werkstatt, Teil II

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Was war das für eine spannende Woche! Am Montagabend haben wir uns bei noventum zum strategischen Kaminabend getroffen, um mit sehr hilfreicher Unterstützung von Dr. Andreas Zeuch und mit vielen unserer Mitarbeiter zu diskutieren, wo wir noch agiler werden können bzw. müssen. Am Mittwoch habe ich dann in Osnabrück ein Unternehmen kennen gelernt, das offensichtlich richtig Gas gibt und dazu 50 Personen in eine neue Gesellschaft ausgelagert hat, die mit ausgeprägter Start-Up-Mentalität und agilen Methoden auf einen rasanten Wachstumskurs geht. Ich werde das aufmerksam beobachten. Und schließlich stand bei dem bitkom Arbeitskreis „Cloud Computing und Outsourcing“ das Thema "Führung im Zeitalter digitaler Veränderung" auf dem Programm. Zu diesem Arbeitskreis konnte ich einerseits mit meinem Vortrag „Förderung der Veränderungsfähigkeit durch vertrauensbasierte Unternehmenskultur“ einen Impuls als Botschafter für Vertrauenskultur geben. Andererseits konnte ich selbst sehr viele wertvolle Inspirationen der anderen Referenten und Teilnehmer gewinnen.

Doch eins nach dem anderen, beginnend bei unserem strategischen Kaminabend zum Thema „Agile Agenda noventum“, der mit einer ausgesprochen hohen Teilnehmerzahl im idyllischen Landhaus Pleistermühle an der Werse stattgefunden hat. Ich hatte Euch einen Blick in die Werkstatt versprochen, und hier soll er jetzt kommen. Hauptziel des Kaminabends war die Initiierung eines Projektes „Agile Agenda“ für unser Unternehmen noventum. Hauptziel des Projektes ist die Erhaltung von Wirtschaftlichkeit und Zukunftssicherheit und Vertrauenskultur des Unternehmens in einem von disruptiven Veränderungen geprägten Umfeld. Und ganz nebenbei geht es inzwischen bei mir auch darum, so langsam meine Führungsnachfolge einzuleiten, denn im Jahre 2024 endet altersbedingt mein Arbeitsvertrag. Ob meine Arbeit dann auch endet, bezweifle ich sehr. In jedem Fall möchte ich mich bis dahin jedoch vollständig entbehrlich machen.

Der strategische Kaminabend am vergangenen Montag war für viele unserer Mitarbeiter der erste intensive und strukturierte Kontakt mit Agilitätsthemen. Schließlich sind wir kein Softwareentwicklungsunternehmen, in dem Scrum & Co. schon an vielen Stellen bewährte Praxis ist. Daher war ich sehr gespannt, welche Erwartungen und auch welche Fragezeichen unsere Mitarbeiter mitbringen. Nach vierstündiger, ausführlicher und perspektivenreicher Diskussion im Plenum und in Kleingruppen ist ein differenzierter Wunschzettel entstanden. Besonders hoch priorisiert wurde von den Mitarbeitern mein Ziel der gleichberechtigten Themen Wirtschaftlichkeit und Zukunftssicherheit und Vertrauenskultur. Like! Auf Platz 2 des Wunschzettels stand dann schon der dringende Bedarf der Begriffs- und Nutzenklärung von Agilität. Das war meine größte „lesson learned“ des Abends. Der aktuell so breitgetretene Begriff der Agilität löst offensichtlich nicht bei allen Menschen ein Gefühl der dringenden Veränderungsnotwendigkeit in eben diese Richtung aus. Hier habe ich gemeinsam mit weiteren bereits überzeugten „Agilisten“ noch die Aufgabe, mehr Klarheit über Inhalt und Chancen herzustellen. Platz 3 und 4 der „Topscorer“ auf dem Wunschzettel der „Agilen Agenda“ waren ein praktikabler Werkzeugkasten sowie eine stark ausgeprägte Konsequenz bei deren Umsetzung, sobald sie denn steht.        

Umgekehrt standen auf dem inversen Wunschzettel oder der „not-to-do-list“ Punkte wie „Demokratisierung“, „(noch mehr) Transparenz“, „(noch mehr) Mitarbeiterbefragungen“, ein stark strukturiertes QM-System sowie die Flexibilisierung der Büroinfrastruktur. Insbesondere die ersten drei Punkte verdeutlichen, dass wir schon so partizipativ, transparent und reflektierend sind, dass hier kein Schmerz vorhanden ist. Das ist eine gute Voraussetzung für weitere Agilität. Die Frage, ob wir später auch noch an unserem Büro und an unserem QM-System arbeiten müssen, stelle ich zumindest solange zurück, bis mehr Klarheit zu unserer „Agilen Agenda“ herrscht.

Begeistert war ich am Montagabend, als dann zum Abschluss die Frage nach der aktiven Mitarbeit an dem Projekt zur Gestaltung der „Agilen Agenda“ gestellt wurde. Spontan wollten 17 Mitarbeiter in dieses Projekt investieren, obwohl oder vielleicht gerade weil noch so viel Klärungsbedarf besteht. In diesem Projekt kann Partizipation und Mitgestaltung von Anfang an erfolgen. Wie geht es jetzt weiter? Wir konstituieren in den nächsten Tagen das Projekt, formulieren einen konkreten Projektauftrag, definieren klare Projektziele, strukturieren das Projekt und stellen das Projektteam zusammen. Dabei integrieren wir auch einige Studenten der Fachhochschule Münster, die uns sowohl wissenschaftlich wie auch handwerklich unterstützen. Als nächster Meilenstein ist der 30.6.2017 vorgesehen. Bis dahin steht eine erste Version der „Agilen Agenda noventum“. Ich bin sehr gespannt und lasse Euch dann wieder teilhaben.       

In einem weiteren „highlight der Woche“ durfte ich mich im bitkom Arbeitskreis in Frankfurt mit den Unternehmen vodafone, Deutsche Telekom, Datev und Heinrichsen AG über unsere jeweilige „Agile Agenda“ austauschen. Eine sehr inspirierende Veranstaltung, insbesondere, weil alle Protagonisten unterschiedliche Perspektiven auf den Umgang mit den Herausforderungen durch die Digitalisierung aufgemacht haben. Während mein Fokus auf der systematischen Gestaltung von Unternehmenskultur bzw. konkret der Vertrauens- und Leistungskultur lag, ging es bei vodafone um Cloud als Befähiger digitaler Technologien, bei der Deutschen Telekom um eine radikal neue Lernkultur, bei der Datev um das emotionale Change Management in Richtung Agilität und bei der Heinrichsen AG um die Etablierung eines „start-up-spirits“. Ich habe viel gelernt und damit war es für mich ein sehr erfolgreicher Tag. Ermutigend war, dass sich die präsentierenden Unternehmen wie auch die Unternehmen, mit deren Vertretern ich ausführliche Kaffeetischgespräche geführt habe, auf dem Weg zu mehr Agilität und Veränderungsfähigkeit befinden und dabei noch sehr viel experimentieren und lernen. So wie wir. Damit sind wir in guter Gesellschaft, die ich weiter für einen professionellen Erfahrungsaustausch nutzen werde.

Agilität lebt unter anderem von einer stark ausgeprägten Partizipation, sowohl von Mitarbeitern wie auch von Kunden und Partnern. Agilität erfordert auch einen starken Wertekern, attraktive Ziele und eine ausgeprägte und anspruchsvolle Führungskultur, damit aus Agilität nicht Chaos und Orientierungslosigkeit wird. In diesem Kontext möchte ich in meinem nächsten Blogartikel am 6. Februar das Thema „Partizipative Leitbildentwicklung“ betrachten. Ein Leitbild, nicht Leidbild, brauchen wir umso mehr, wenn wir agil und selbstorganisiert arbeiten. Nur reicht es nicht, dieses mit den aktuellen „buzzwords“ zu spicken und dann darauf zu hoffen, dass alles gut wird. Was aus meiner Sicht besser hilft, erzähle ich Euch in der nächsten Woche.   

 

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