Wenn Du als Führungskraft Anweisungen geben willst - kauf Dir besser einen Hund.

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Die Online-Seminarreihe zum Buch. Teil I - Management von Vertrauenskultur

Zu den klassischen Aufgaben einer Führungskraft gehören Planen, Anweisen, Kontrollieren und bei Bedarf Gegensteuern, wobei dann bei Nichtgehorsam Disziplinarmaßen wie Abmahnungen, Bonusverweigerungen oder Kündigungen angewandt werden sollten. Schließlich ist der Chef dafür verantwortlich, dass sein Plan in die Tat umgesetzt wird. Er wiederum ist dabei auch nur ein Teil des Plans seines Chefs, der ihn wiederum mit den gleichen Methoden führt. Soweit das einfache und oft auch wirkungsvolle System in der Hierarchie- und Machtpyramide der Industriekultur. Das gibt es heute doch kaum noch, oder?

Tatsächlich spreche ich auch heute immer wieder mit Menschen, die eine disziplinarische (was für ein merkwürdiges Wort!) Führungskraft werden wollen, damit sie endlich Anweisungen geben können, die dann auch befolgt werden. Ich finde das absurd und unerwachsen. Eine Führungskraft ist man dann, wenn andere einem freiwillig folgen, weil es sich lohnt. Weil man gemeinsam etwas erreicht und weil man dabei Selbstwirksamkeit spürt. Das hat der von mir sehr geschätzte Dr. Josef Mönninghoff auch in seinem Buch „Führen hat Folgen“ gut verdeutlicht.

Wie sorgt die moderne Führungskraft nun, dafür dass seine Mitarbeiter die anstehende Arbeit auch wirklich zu seiner Zufriedenheit erledigen? Möglicherweise sind dabei ja auch nicht nur angenehme Aufgaben zu erledigen, zu denen der Mitarbeiter intrinsisch motiviert ist. Ich empfehle dazu im Sinne agiler Methoden das Zusammenspiel wie zwischen Product Owner und Entwicklungsteam. Der Product Owner hat in der Scrum Welt die Aufgabe, die Notwendigkeit der Aufgabe zu verdeutlichen und die einzelnen Tätigkeiten zu priorisieren. Er bzw. sie weist nicht an! Das Entwicklungsteam oder bei einer 1:1 Beziehung der Mitarbeiter „pullt“, d.h. zieht die Aufgaben, die getan werden müssen und die er sich zeitlich und kompetenzmäßig zutraut. Damit gibt er bzw. sie ein Versprechen ab und trifft mit dem Product Owner eine Vereinbarung.

Was in der Scrum Welt funktioniert, wenn alle ihre Rollen professionell spielen, funktioniert nach meiner Erfahrung genau so wirkungsvoll im normalen Führungsalltag. Mit den Prinzipien von Transparenz, Partizipation und Fokus wird die Verantwortungsübernahme von Mitarbeitern ermöglicht ohne dass Anweisungen gegeben werden müssen. Ich habe das Wort „Anweisungen“ übrigens aus meinem Führungsvokabular gestrichen und durch das Wort „Vereinbarung“ – auf Augenhöhe – ersetzt. Vereinbarungen sind Versprechen und dabei erwarte ich übrigens, dass sie konsequent gehalten werden, sofern nicht zwingende Gründe dagegensprechen, welche frühzeitig transparent gemacht werden müssen. Auch da helfen agile Methoden wie „stand-ups“, Kanban Boards etc.

Auf einem anderen Blatt der Führungsarbeit steht das Coaching der Mitarbeiter bzgl. ihrer persönlichen Entwicklung, der Vereinbarung von Rolle und Entlohnung und ggfs. der Unterstützung bei der konkreten Aufgabenerledigung, insbesondere wenn die Mitarbeiter noch unerfahren sind. Aber auch auf diesem Terrain sind Anweisungen fehl am Platz. Im Idealfall finden auch bei diesen Themen Vereinbarungen auf Augenhöhe statt. Es kann jedoch auch notwendig sein, dass die Führungskraft aufgrund Ihrer Rolle eine einseitige Entscheidung bzgl. der Zukunft der Mitarbeiter trifft. Nicht immer lassen sich die Ziele der Führungskraft und des Mitarbeiters miteinander vereinbaren. Diese Form der Weichenstellung erfolgt aber nicht im Tagesgeschäft bei der üblichen Aufgabenerledigung, sondern nur an einigen wenigen entscheidenden Punkten der Mitarbeiterentwicklung.

Sind Anweisungen also tabu? Nicht ganz. Im Privatleben gebe ich manchmal doch noch Anweisungen. Seit gut einem Jahr haben wir einen sehr liebenswürdigen Hund. Smilla ist eine zottelige Bernedoodle Dame und ist gut erzeugen Dank klarer Anweisungen, die sie von Anfang an von meiner Frau und mir bekommen hat. Nach jeder befolgten Anweisung gibt es zur Belohnung ein Leckerli. So macht man das mit Hunden. Mit dieser Methode leben Mensch und Tier erfolgreich und angenehm zusammen. Mit erwachsenen Menschen möchte ich jedoch anders umgehen.

In meinem Buch „Ausbruch aus der Komplexitätsfalle“ und in dem begleitenden Webinar „Management von Vertrauenskultur“ gehe ich vertieft auf ein für die heutigen Umweltbedingungen hilfreiches Führungsverständnis und -verhalten ein. Auf den Austausch mit Euch freue ich mich. Anmeldungen zum kostenfreien Webinar am 28.1.: Anmeldung Webinar Ausbruch aus der Komplexitätsfalle

Uwe Rotermund & Smilla

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