Zukunftsoptimismus in einer postfaktischen Welt

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Future Day 2017 – Neuigkeiten aus der Zukunft?

Seit vielen Jahren veranstaltet das Horx’sche Zukunftsinstitut seinen Zukunftskongress und gibt dabei tiefen Einblick in die Megatrends und deren Auswirkungen auf unser Leben in den nächsten Jahrzehnten. Wir von noventum haben es uns zur Gewohnheit gemacht, mit einigen Mitarbeitern und Geschäftsfreunden diesen besonderen Kongress zu besuchen, um mit vielen Impulsen und ggfls. einigen konkreten Geschäftsideen wieder in unsere Gegenwart zurückzukehren. In der vergangenen Woche war es dann wieder soweit und Matthias präsentierte seinen 700 Gästen im Frankfurter Kap Europa ein beeindruckend dichtes Programm mit ausnahmslos exzellenten Rednern und Inspirateuren. Diesmal stand der Blick in die Glaskugel jedoch im Hintergrund. Es gab wenig Neuigkeiten aus der Zukunft. Stattdessen lag der Fokus auf unserem Blick in eine komplexe Welt und insbesondere der Umgang mit der vielzitierten postfaktischen Gesellschaft.

Mut machende Fakten in der postfaktischen Welt

Ich schätze Matthias Horx und seine Veranstaltungen auch deshalb, weil sie einen energiereichen Optimismus im Umgang mit der Zukunft vermitteln und damit einen Gegenpol zu den populären „Doomprayern“ aus Politik und Medien einnehmen. Dass dieser Optimismus nicht eine rosarote Schönfärberei ist, sondern gut begründet ist, erläuterte auf der Konferenz unter anderem in beeindruckender Weise Anna Rosling aus Stockholm, die Schwiegertochter des legendären Hans Rosling, dem Erfinder des www.gapminder.org . Mit ihrer Dollarstreet verdeutlicht Anna in einer Kombination aus belastbaren Fakten und individuellen, lebensnahen Bildern und Geschichten, dass sich der Zustand der Welt in den letzten Jahrzeiten deutlich verbessert hat, und zwar für alle Gesellschaftsschichten aller Länder. Überraschung? Ja, die Reichen werden reicher, aber auch die Armen werden in signifikanter Weise reicher. Und gesünder und älter und auch deutlich sicherer. Die Art und Weise, wie Anna Rosling dies in der Applikation Dollarstreet darstellt, ist sehenswert. Überzeugt Euch bitte selbst mit www.dollarstreet.org. Es spricht viel dafür, dass dieser Trend sich fortsetzt. Ein weiteres Signal, das Anna Rosling mit Ihrer Präsentation gesetzt hat, ist das Infragestellen von Stereotypen bzgl. des Wohlstands von Ländern. Ihre Dollarstreet verläuft quer durch Staaten und Kulturen. Das Besondere an Anna Roslings Website ist, dass die Fakten anhand der Bilder lebendig, glaubwürdig und emotional werden, worüber sich unser limbisches System im Gehirn freut.

 

Über unseren Umgang mit „Limbi“

Die Legende Tiki Küstenmacher, der Millionenauflagen mit seinen „Simplify Your Life“ Büchern erzielt hat, brachte den Teilnehmern des Future Day die Funktionsweise unseres limbischen Systems, welches der Verarbeitung von Emotionen dient und das er liebevoll „Limbi“ nennt, nahe. Er verdeutlichte dabei insbesondere, wie sehr Menschen sich durch negative Schlagzeilen manipulieren lassen. Dagegen sind relativierende Fakten nahezu wirkungslos. Er plädierte dafür, sich dessen bewusst zu sein und unser Bewusstsein (verortet im Neocortex) immer wieder als ergänzendes System einzusetzen um zu perspektivreichen Einschätzungen und hilfreichen Entscheidungen zu kommen. Er verwies dabei auf den Nobelpreisträger für Wirtschaft Daniel Kahnemann, der als Psychologe die Einsatzfelder von langsamen Denken (Bewusstsein) und schnellem Denken (Emotion) aus meiner Sicht schön in seinem Buch „Schnelles Denken, Langsames Denken“ verdeutlicht hat. Auf der anderen Seite appellierte Tiki Küstenmacher auf dem Future Day dafür, dass die vielen Chancen und guten Nachrichten der aktuellen Zeit ebenso emotional „verpackt“ werden müssen wie die negativen und Angst machenden. Dumm ist nur, dass der Mensch so programmiert ist, dass negative und Angst machende Nachrichten viel intensiver empfunden werden. Das war in der Steinzeit sehr nützlich.

 

Ali, der Mutmacher für Kids

Ein weiterer sehr inspirierender Impuls des Future Day 2017 für mich war die Präsentation von Ali Mahlodji, der die viel beachtete Plattform www.whatchado.com betreibt, auf der über 6.000 Menschen in authentischen Videos über ihre intrinsische Motivation in Ihrem Beruf nach dem Motto „Be happy and love what you do“ erzählen. Dazu muss jeder der etablierten Arbeitnehmer 7 immer gleiche Fragen auf der Plattform beantworten und die Antworten teilen. Damit können sich die oft noch orientierungslosen Jugendlichen begeistern lassen und herausfinden, welcher Beruf zu ihnen passt. Der besondere Effekt an dieser besonderen Form der Berufsberatung entsteht durch die Vorstellung von ganz ungewöhnlichen Karrierepfaden. Viele der inzwischen etablierten Arbeitnehmer zeigen, dass sie auch früher unsicher und orientierungslos waren und jetzt Ihre Berufung gefunden haben. Das macht Mut. Für Ali ist es ein besonderes Anliegen, den Kids Selbstvertrauen zu geben und der weit verbreiteten Meinung über sich selbst: „Ich bin nicht gut genug“ die Grundlage zu entziehen. In den über 6.000 Videos können unzählige Beispiele von Menschen gefunden werden, die sich früher auch als „nicht gut genug“ empfunden haben und die jetzt sehr erfolgreich und glücklich sind. Ali ist mit 2 Jahren aus dem Iran nach Wien gekommen und hatte einen äußerst kurvenreichen Lebensweg. Er weiß also, wovon er spricht und hat mit der Plattform watchado den Lebenstraum aus seiner Jugend realisiert und eine echte Weltverbesserungsmission initiiert. Er und seine Plattform haben viele internationale Auszeichnungen, u.A. den Social Impact Award erhalten. Ali www.ali.do ist u.A. EU Jugendbotschafter und EU Ambassador. Als Missionar für eine menschenorientierte Unternehmenskultur hat mir dieser Beitrag ganz besonders gefallen.

 

Ein Appell für Romantik im Business

Echt jetzt? Was soll Romantik im Business? Der Referent und Autor Tim Leberecht ist davon überzeugt, dass Gefühle das Business von Morgen prägen und dass Unternehmen eine emotionale Orientierung benötigen. Je mehr Fakten und Daten verfügbar sind, umso mehr entsteht Differenzierung durch Emotion und Beziehung. Dass Tim Leberecht damit auch einige agile Prinzipien in Frage stellt und z.B. „Geheimnisse statt Transparenz“ empfiehlt, irritiert auf den ersten Blick. Ich werde mir sein Buch zu Gemüte führen und dann meine Meinung bilden. In jedem Fall ist mir sein Appell für Emotion und Beziehung sehr sympathisch.

 

Berechtigter Zukunftsoptimismus?

Der Future Day 2017 stand unter dem Motto „Zukunft neu (er)fühlen“ und hat einen starken Fokus auf die Bedeutung der Emotion in der Zukunft gelegt. Matthias Horx hat dazu eine Reihe von Emotionen und deren Relevanz erläutert. Ob diese Emotionen gut oder schlecht sind, ist dabei nicht die entscheidende Frage, denn Emotionen sind nun einmal da. Das Wissen um deren Bedeutung hilft. Zwei Emotionen, die Matthias Horx erläutert hat, haben mir besonders verdeutlicht, welche Möglichkeiten wir als Zukunftsoptimisten haben, und zwar die scheinbar fast gleichen Emotionen „Hoffnung“ und „Zuversicht“. Der feine Unterschied dabei ist, dass „Hoffnung“ meist eine positive Zukunft in passiver Haltung für möglich hält, während „Zuversicht“ impliziert, dass wir die Zukunft zum Positiven hin mitgestalten. Diese Emotion gefällt mir und ich habe auch die Zuversicht, dass ich durch viele Gespräche und gute Beispiele den Zukunftsoptimismus bei vielen Menschen fördern kann. Der Future Day 2017 hat mir auf jeden Fall eine Vielzahl von ermutigenden Impulsen gegeben. Danke dafür!

 

Daniel Kahnemann

Ali Mahlodji

Tim Leberecht

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