„Der erfolgreiche Jäger aus der Steinzeit würde heute sein Abitur nicht bestehen und müsste wahrscheinlich Ritalin schlucken“

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Interview mit Prof. Dr. Gunter Dueck

 

novum: Prof. Dueck, sind Sie eigentlich auf der Suche nach einer besseren Welt? Sind Sie ein Moralist?

Prof. Dueck: Es geht schon um eine neue Ethik in der Welt! Ich habe mal eine These aufgestellt: Jäger – Bauer – E-Man. Jede Zeit hat ihre starken Typen, die in ihrer Zeit maßgebend sind, weil sie leisten, was gerade gefragt ist. Was also ist der bestimmende Typ der nächsten Zukunft? Wenn vor 5.000 Jahren die schönste Frau im Dorf ihren Mann hätte wählen dürfen, hätte sie den Schwarzenegger-Typ genommen und den Referenten aus dem Finanzministerium links liegen gelassen. Heute wäre das umgekehrt und der Muskel-Typ würde sein Abitur nicht schaffen und müsste gegen seine Hyperaktivität Ritalin schlucken. So ändern sich die Maßstäbe!

novum: Was ist der Held unserer Zeit?

Prof. Dueck: Das Internet markiert wieder einen Bruch. Ich helfe dabei, zu definieren, wie nun der neue Menschentyp aussehen müsste. Zumindest fordere ich eine solche Diskussion! Der Bruch ist intensiver als der durch die Einführung des Buchdrucks hervorgerufene. Die Menschen müssen sich jetzt ändern. Ganze Berufsgruppen fallen künftig den Internetprozessen zum Opfer, damit aber auch die Werte, die sie repräsentieren.

novum: Welche Qualitäten sind zukünftig gefragt?

Prof. Dueck: Heute wird man nur noch gut bezahlt, wenn man ein Projekt leiten kann, mit Leuten gut klarkommt usw. Die ethischen, kreativen Kräfte fallen anders ins Gewicht und sind jetzt der maßgebende Menschentyp. Der Jäger musste gut draufhauen können, der Bauer musste ein Leben lang mit Langmut und Demut einen Pflug ziehen können und nun sind wir in einer neuen Phase. Ich habe schon eine gewisse Leidenschaft, darauf immer wieder hinzuweisen!

novum: Kommt mit neuen Gewinner-Archetypen nicht auch der gesellschaftliche Konsens ins Rutschen, beispielsweise über die demokratische Gesellschaft, in der wir leben?

Prof. Dueck: In kleineren Einheiten, Betrieben oder Gruppen lässt sich das Ganze schon noch steuern und beeinflussen. Hier können ethische Maßstäbe aufrechterhalten werden, wenn sie uns wichtig sind. In größeren Einheiten wird das schwierig.

novum: Wenn man Sie auf der Bühne agieren sieht,
bekommt man den Eindruck, dass Sie das sehr gerne tun?

Prof. Dueck: Ja, das scheint so. Ich habe allerdings in mir zwei sehr gegensätzliche Anteile: zum einen den Buddha, der unter dem Baum sitzt und über das Leiden der Welt nachdenkt.Dieser sucht natürlich keine Öffentlichkeit und braucht seinen Ruhepunkt. Und es gibt den Motivator, der die Welt verändern will mit dem, was er unter dem Baum erdacht hat. Den sehen Sie dann auf der Bühne.

novum: Dann viel Erfolg auf unserer Bühne und vielen Dank für das Gespräch.


Omnisophie

Prof. Dr. Gunter Dueck

FREIER SCHRIFTSTELLER, PUBLIZIST, SPEAKER

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