Vertrauen und die Lust an der Veränderung

// Unternehmenskultur

Seit sieben Jahren beteiligt sich noventum consulting mit großem Erfolg an dem bundesweiten Wettbewerb „Great Place to Work“ des gleichnamigen Kölner Instituts. 2012 beförderten die noventum-Mitarbeiter in der anonymen Befragung, die mit jeder Wettbewerbsteilnahme einhergeht, ihren Arbeitgeber zum dritten Mal auf den ersten Platz in der Gruppe der Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern. Frank Petersen, Personalleiter bei Deutschlands beliebtestem Arbeitgeber, wirft in einem novum-Interview einen Blick zurück.

novum: Herr Petersen, wie fühlt man sich als der Personalleiter von Deutschlands beliebtestem Arbeitgeber?

Frank Petersen: Sehr gut! Unsere Mitarbeiter stellen uns ein hervorragendes Zeugnis aus. Das macht mich und uns sicher auch stolz. Vor allem gibt es uns aber die Sicherheit, in den Zeiten knapper werdender Personalressourcen das Richtige zu tun.

novum: Sie haben keine Probleme, die richtigen Mitarbeiter zu finden?

Frank Petersen: Doch, wir stehen vor dem gleichen Problem wie alle Unternehmen in der IT-Branche. Wir bekommen aber von unseren Bewerbern gespiegelt, dass wir eine besondere Attraktivität ausstrahlen in der großen Zahl ansonsten sehr ähnlicher Unternehmen. IT Management Beratungen gibt es viele, noventum ist aber eine deutliche Spur anders. Und das hilft.

novum: noventum beteiligt sich seit 2006 an diesem Wettbewerb. Haben Sie sich seitdem verändert und hat das mit dem GPtW-Ranking zu tun?

Frank Petersen:  Ja und nein. Natürlich haben wir eine große Offenheit für das Thema „Mitarbeiterorientierung“ mitgebracht. noventum war immer schon ein Unternehmen, das die Idee „guter Arbeit“ auch auf die eigenen Mitarbeiter bezogen hat. Die Beraterbranche hat einige wiederkehrende Probleme, zu denen prominent eine hohe Fluktuation der Mitarbeiterschaft gehört. An dem Thema haben wir also seit jeher sehr engagiert gearbeitet. Wir haben aber mit der wiederholten Teilnahme am Wettbewerb und der damit einhergehenden Selbstüberprüfung unsere entsprechenden Bemühungen sehr viel systematischer und auch konsequenter betrieben. Das verändert Details und vertieft Haltungen. Ja, wir haben uns verändert.

novum: Wo ist das spürbar?

Frank Petersen: Nehmen wir die Aspekte Nachhaltigkeit und Vertrauenskultur. Wir haben trotz unserer nur ca. 100 Mitarbeiter eine sehr differenzierte innere Führungsstruktur. Bei uns tragen 10 Mitarbeiter Personalverantwortung. In dem Bemühen, die Grunderkenntnisse aus dem GPtW-Ansatz zu verstehen und zu leben, sind alle diese Kollegen sehr aktiv gefordert. Mitarbeiterorientierung ist nicht nur eine Summe von z.B. finanziellen Segnungen, es geht um eine Haltung vom Arbeitgeber zum Mitarbeiter. Und diese Haltung ist anders fundiert als in einem „Ich gebe Dir Geld, dafür gibst Du mir Deine Arbeitskraft“.

novum: Kann man die „andere“ Haltung positiv beschreiben?

Frank Petersen: Ich versuche es einmal so: Wir bringen den wesentlichen Teil unserer wachen Zeit miteinander zu. Arbeitskollegen sind viele Jahre lang das zeitintensivste soziale Umfeld, das wir alle haben. Und das soll gut sein, von Ehrlichkeit und Vertrauen getragen, belastbar und fürsorglich. Aus einer solchen „sicheren Burg“ heraus können wir alle unsere anspruchsvollen und manchmal anstrengenden Jobs tun. Um einen solchen Anspruch aber nicht irgendwelchen Zufälligkeiten oder tagesaktuellen Opportunitäten zu unterwerfen, müssen Maßnahmen festgelegt werden. Wir haben eine sehr umfangreiche To-Do-Liste, die unsere personalverantwortlichen Mitarbeiter abzuarbeiten haben. Daran werden sie auch gemessen.

novum: Nennen Sie uns ein Beispiel?

Frank Petersen: Nehmen wir das Beispiel „Kontakt“: Jeder Vorgesetzte lädt seine Mitarbeiter einzeln zweimal im Jahr zu einem Mitarbeitergespräch ein. Hier werden ausführlich und gegenseitig Erwartungen, Kritik und Veränderungswünsche besprochen. Außerdem ist jeder Vorgesetzte immer ansprechbar für seine Mitarbeiter und sucht auch regelmäßig aktiv den Kontakt zu seinen Mitarbeitern. Das ist in einem Beratungsunternehmen nicht ganz leicht, in dem die Mitarbeiter oft weit verstreut in diversen Kundenprojekten sind. Aber das ist unser Anspruch.

novum: Das klingt nicht so, als ob bei Ihnen eine Revolution der Arbeitswelt stattgefunden hat?

Frank Petersen: Nein, darum geht es auch nicht. Es müssen sich aber bei noventum alle Maßnahmen, die für Mitarbeiter spürbar und relevant sind, an dem hohen Maßstab messen lassen, mitarbeiterorientiert zu sein. Und da ist dann die Summe aller Maßnahmen am Ende doch recht imposant. 

novum: Nennen Sie uns noch ein Beispiel, an dem ablesbar ist, dass Sie etwas anders machen als gewöhnlich üblich?

Frank Petersen: Gerne. Ich wähle ein Beispiel, das den Blick nach außen lenkt. noventum consulting ist ein Unternehmen, das sich seiner sozialen Verantwortung stellt, der erfolgreiche Unternehmen gegenüberstehen. Wir arbeiten in einer konkreten Gesellschaft und wollen außer Steuern auch unsere Anteilnahme und Hilfe an diese Gesellschaft zurückgeben, deren Teil wir sind. Wir sind in einer Fülle kleiner und großer Maßnahmen engagiert, mal personell, mal finanziell. Und diese Felder für unser gesellschaftliches Engagement haben sehr oft unsere Mitarbeiter vorgeschlagen. Jeder Mitarbeiter kann und soll in seinem Lebensumfeld Punkte identifizieren, wo wir uns engagieren sollten. Das Ergebnis ist oft Sponsoringship, manchmal Freiwilligenarbeit. Warum wir das so machen? Wir sind gemeinsam eine erfolgreiche Beratungsfirma, wir wollen auch gemeinsam an der Verteilung des Mehrwertes mitwirken und mitbestimmen. Und das ist dann spürbar mehr als nur Marketing.

novum: Wie geht es weiter mit dem Wettbewerb „Great Place to Work“ und noventum consulting?

Frank Petersen: Auf zwei Ebenen: Zum einen haben wir uns zusammen mit dem Kölner Institut auf den Weg gemacht, die Grundidee des GPtW ins Münsterland zu tragen. In diesem Jahr startet zum ersten Mal ein Regionalwettbewerb Münsterland. Wir stehen für Kollegen anderer Unternehmen, die sich für eine Teilnahme interessieren, als Ansprechpartner zur Verfügung. Selbstredend nehmen wir selber nicht teil, auch nicht mehr im Bundeswettbewerb. Eine ähnliche Rolle spielen wir bei der Etablierung des GPtW-Modells in der Türkei, wo unsere Tochterfirma als Patin des neu gegründeten Instituts wirksam ist. Wir sind in den Jahren unserer Teilnahme zum Teil der Initiative geworden. Zum anderen werden wir ohne Wettbewerbsteilnahme weiter unsere Mitarbeiter befragen lassen und die entsprechenden Auswertungen in unsere konkrete Personalarbeit einfließen lassen. Auch wir müssen uns stetig verändern, anpassen und verbessern. Daran haben wir uns gewöhnt, daran glauben wir und da machen wir auch weiter.

novum: Vielen Dank für dieses Gespräch!

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Frank Petersen

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