Kennzahlengesteuertes Rechenzentrum

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Kennzahlengesteuertes Rechenzentrum

 

Für eine erfolgreiche strategische Unternehmenssteuerung ist die präzise Kenntnis der Fakten in den eigenen Unternehmensabläufen ebenso wichtig wie die statistisch aufbereitete Kenntnis des konkreten Realisierungsgrades qualitativer Unternehmensziele. noventum consulting untersucht, wie Kennzahlensysteme die Steuerung von Rechenzentren und IT-Dienstleistungen unterstützen können.

 

Systeme und Methoden zur Unternehmenssteuerung

Zu den bekannten Rahmenwerken, die eine ausgereifte Steuerungsmethode aufweisen, gehört seit vielen Jahren ITIL (IT Infrastructure Library). ITIL steht gleichermaßen für Prozesse und Abläufe und wahrt dabei konsequent die Perspektive des IT Service Management. In ITIL selber sind zu allen Prozessen Kennzahlen vermerkt. Diese sind reine Prozesskennzahlenreihen, welche nicht direkt Zielvorgaben zugeordnet werden. Mit den Kennzahlen aus der ITIL-Dokumentation kann die Frage, ob IT- und Unternehmensziele unterstützt werden, nicht vollständig beantwortet werden.

Das Framework COBIT (Control Objectives for Information and Related Technology) gliedert die Aufgaben der IT in Prozesse und Control Objectives und gibt dabei Steuerungsvorgaben, die vorrangig definieren, was umzusetzen ist, nicht aber, wie das geschehen soll. Es befriedigt damit erstrangig die Vorgaben einer IT-Governance, in der gefordert wird, Aussagen über die Qualität der Zielerreichung zu treffen. Dazu bringt COBIT eine sehr brauchbare und gute Struktur mit sich und ist anerkannt in der ganzheitlichen Abbildung der Abläufe und Prozesse. COBIT ist daher als Grundlage zur Steuerung nach Kennzahlen die richtige Wahl.

  

Zielhierarchie

Dies ist besonders deutlich an der von COBIT vorgelegten Zielhierarchie zu erkennen. COBIT definiert hierbei, dass die IT den Businesszielen untergliedert ist und dass sie genau dafür da ist, das Business zu unterstützen – eine Aussage, die ebenfalls in ITIL enthalten ist. Neben dieser Aussage bringt COBIT eine Hierarchie von 17 Business Goals, 28 IT Goals und 34 Process Goals mit, welche mit Aktivitäten und Kennzahlen unterlegt sind. Diese Hierarchie kann sowohl in Teilen direkt als auch als Ausgangspunkt eigener Zieldefinitionen genutzt werden.

Bei der weiteren Ausarbeitung der COBIT-Vorgaben erleidet man jedoch einen leichten Schock – COBIT definiert zu der Zielhierarchie 340 verschiedene Kennzahlen. Nun stellt sich die Frage, ob ein Rechenzentrum mit 340 Kennzahlen gesteuert werden kann und soll. Ein Pilot einer Boing 747-300 muss mit 971 Instrumenten und Anzeigen zurechtkommen, in moderneren Flugzeugen wird diese Flut auf immerhin etwa 300 reduziert, welche mittels Flight Management Systemen Zugriff auf noch mehr Informationen ermöglichen. Reduktion von Komplexität ist auch bei unserem Thema gefragt.

Für die Steuerung eines Rechenzentrums heißt es daher, sich auf die Kennzahlen zu beschränken, welche zurzeit und für das Unternehmen sinnvoll und welche dazu noch mit vertretbarem Aufwand zu ermitteln sind. Auch nach einer Reduktion auf das Sinnvolle und Machbare ist die Liste der Kennzahlen immer noch lang. Daher ist eine Abbildung auf Zielerreichung und die Darstellung der Daten in einem Cockpit sinnvoll.

 

Äpfel mit Birnen vergleichen

Um die Kennzahlen zu einer sinnvollen Aussage zur Zielerreichung zu aggregieren, sind einige Schwierigkeiten zu lösen. Wie wird eine Kennzahl bewertet, welche Werte sind „gut“ und welche „schlecht“. Wie werden die verschiedenen Kennzahlen und Unterziele zusammengefasst? Ist ein gewichteter Durchschnitt besser, oder sollte es eine Minimalbetrachtung sein? Wie vergleicht man Kennzahlen, die in unterschiedlicher zeitlicher Granularität vorliegen?

Dazu kommt der Wunsch, den Beitrag einer Unternehmenseinheit, eines Kunden oder eines Services zur Zielerreichung zu bewerten. Dies bedeutet, dass für möglichst viele dieser Kennzahlen diese Dimensionen mit aufgenommen und in der Festlegung der Schwellwerte berücksichtigt werden müssen.

 

Data Center Cockpit

Um die Umsetzung dieser Steuerungsgrundsätze zu prüfen, ist die noventum consulting GmbH gemeinsam mit der DBIS Gruppe der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster ein Masterprojekt angegangen (sehen Sie dazu auch das Interview mit Prof. Dr. Vossen auf den folgenden Seiten). Die Aufgabe für die Studenten lautete, den Prototyp eines Management Cockpits zu entwickeln, welcher die harten Fakten der Kennzahlen mittels Berechnungsvorschriften in die weichen Zieldefinitionen überführt. Das Data Center Cockpit sollte außerdem für verschiedene Anwendungsfälle nutzbar sein, so dass sich z.B. ein Serviceverantwortlicher seinen Schnitt der Daten ebenso anschauen kann wie ein Key Accounter oder Service Level Manager.

 

Weiteres Vorgehen

noventum consulting wird weiter an der kennzahlengesteuerten Führung von Data Centern und IT-Abteilungen arbeiten. Die nächsten Schritte beinhalten eine Ausweitung der bisherigen Plattform, ein Projekt, um die möglichen Kennzahlen zu optimieren und einen realistischen Praxistest.

Ausgewählte Kunden haben bereits Interesse am Data Center Cockpit bekundet, daher sind wir zuversichtlich, nicht nur das Thema, sondern auch das Toolset zu erweitern.

noventum consulting

Marc Buzina

SERVICE MANAGER

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