Vision 2030 in der Praxis
Wie die awm Veränderung organisationsweit wirksam gestalten
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Organisationsentwicklung, People & Culture
Die Abfallwirtschaftsbetriebe Münster, kurz awm, haben sich mit ihrer Vision 2030 „Münster wird eine Hauptstadt der Abfallvermeidung“ und der verbundenen Mission „alle wirken mit“ auf den Weg gemacht, ihre Organisation zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur die strategische Ausrichtung, sondern auch die Frage, wie Beteiligung, Zusammenarbeit und Veränderung im Alltag wirksam gestaltet und gefördert werden können. Für die awm bedeutete das, unterschiedliche Ebenen der Organisation miteinander zu verbinden: strategische Ziele, Führung, operative Bereiche und die Mitarbeitenden insgesamt. Veränderung sollte nicht abstrakt bleiben, sondern in konkrete Formate, klare Verantwortlichkeiten und gemeinsam getragene Entwicklungsschritte übersetzt werden.
Ein gemeinsames Bild von Veränderung schaffen
noventum consulting begleitet die awm in diesem Strategie- und Transformationsprozess. Zum Auftakt konzipierte noventum in Zusammenarbeit mit der Agile Coachin der awm ein Change-Management Bootcamp. Das bildete den Start für einen strukturierten Veränderungsprozess und half dabei, zentrale Werkzeuge und Denkweisen für den Veränderungsprozess gemeinsam nutzbar zu machen, sowie die wichtigsten Handlungsfelder und -aufgaben strukturiert zu sammeln. So entstand Schritt für Schritt ein Modus, der Orientierung gab, ohne in Starre zu verfallen und der zugleich genug Verbindlichkeit schuf, damit das Team Ergebnisse erzielte.
Das Vorgehen war dabei bewusst mehrphasig angelegt. Auf das initiale Change-Management-Bootcamp folgte ein strukturierter Entwicklungsprozess. Handlungsfelder wurden geschärft, Prioritäten gesetzt und ein strategischer Umsetzungsrahmen erarbeitet. Darauf aufbauend begleiteten die Beraterinnen und Berater gemeinsam mit der Agile Coachin der awm die Einführung passender Formate, stärkten das Change Team in seiner Rolle und agilen Zusammenarbeit, unterstützten Führungskräfte durch Coaching und Austauschformate wie „Voneinander lernen“ und halfen dabei, mit agilen Rollen und klaren Zuständigkeiten Veränderung schrittweise in den Arbeitsalltag zu übersetzen. So wurden strategische Orientierung, Beteiligung und konkrete Umsetzung zu einem Vorgehen verbunden, das auf langfristige Verankerung ausgerichtet war.
Die Grundsteine für unseren angestrebten Wandel in unserer Unternehmenskultur haben wir schon vor vielen Jahren gelegt und haben diesen Step by Step verfolgt. Als Product Owner kann ich sagen: Die Zusammenarbeit mit noventum hat diesem Prozess noch mehr Struktur, Verbindlichkeit und Tempo gegeben.
Ein zentrales Ergebnis dieser frühen Phase war der erste Entwurf einer gemeinsamen Zielkarte. Dort wurde festgelegt, was im Hier und Jetzt bewältigt werden musste und worauf die Organisation langfristig hinarbeiten wollte. Auf der einen Seite standen die Anforderungen des operativen Betriebs: ein funktionierendes Kerngeschäft zu sichern, Personalengpässe zu vermeiden, demografischen Wandel zu meistern, steigende gesetzliche Anforderungen und konkrete Folgen des Klimawandels anzunehmen und zu meistern.
Auf der anderen Seite stand das Zukunftsbild der awm: eine gesunde Unternehmenskultur zu schaffen, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, ein starker Nachhaltigkeitsakteur für Münster zu sein und eine Organisation zu schaffen, die Innovationen aktiv vorantreibt. Gerade weil diese Perspektiven zunächst nicht selbstverständlich zusammenfanden, wurde die Zielkarte zu einem wichtigen Instrument, das Orientierung bot. Sie schuf einen übergreifenden Orientierungsrahmen, der die verschiedenen Sichtweisen zusammenführte und damit eine wichtige Grundlage für die weitere Entwicklung bildete. Mit ihrer Finalisierung im Sommer 2023 wurde dieser gemeinsame Verständigungsprozess greifbar. Vorgestellt wurde die Zielkarte im Rahmen der Mitarbeitendenversammlung mit der gesamten Belegschaft im großen Zelt am Recycling- und Entsorgungszentrum in Coerde. So wurde ein gemeinsames Bild der Zukunft geschaffen, auf das die awm bis heute mit Recht stolz sein kann.
Beeindruckend und sinnstiftend fällt mir zu diesem Projekt ein: Bei den awm wirken alle mit und zünden den Lieferturbo für alltagstaugliche und – im wahrsten Sinne des Wortes – nachhaltige Ergebnisse.
Führung als Multiplikator ernst nehmen
Auf dieser Grundlage begann die eigentliche Umsetzungsphase. Ein Schwerpunkt lag darauf, Führungskräfte als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in die Veränderung einzubinden. Rund 40 Führungskräfte wurden durch Trainings, Coachings und die Workshopreihe „Voneinander lernen“ begleitet. Was heute wie ein etabliertes Format wirkt, war zu Beginn nicht selbstverständlich. Wichtig war es, einen Rahmen zu schaffen, der Orientierung gibt, Sicherheit erzeugt und Beteiligung ermöglicht. Diese Herausforderung konnte gemeinsam mit noventum erfolgreich bewältigt werden und nahm eine Art symbolischen Charakter an. Denn im noch unfertigen Rohbau eines neuen Bereichs der awm kamen Führungskräfte zusammen, um sich erstmals in dieser Form mit der gemeinsamen Zukunftsperspektive auseinanderzusetzen. Aus diesem Beginn entwickelte sich ein Format, das heute als fester Kommunikationsraum funktioniert. Themen werden gemeinsam vorbereitet, die Agenda wird durch das Change Team mitgestaltet und die Führungskräfte bringen eigene Fragestellungen ein. So wurde aus einem einmaligen Termin im Rohbau, mit einem ersten und noch nicht finalen Entwurf der Zielkarte, eine wiederkehrende fertig ausgebaute Plattform für Austausch, Orientierung und gemeinsames Lernen in einem nun fertig ausgebauten Bereich der awm.
Und aus diesem Workshop entstand gleich die nächste Idee: So ein schnelles Austauschformat muss auch mit Mitarbeitenden funktionieren. Gesagt, getan. Für den ersten Versuch wurden die Teilnehmenden per Los ausgewählt. Auch dieses Format für den Dialog zu konkreten und relevanten Themen kam gut an. Aus Gesprächen werden konkrete Schritte. Entscheidend für den Projekterfolg war jedoch, dass es nicht beim Austausch blieb. noventum half dabei, aus Diskussionen konkrete nächste Schritte abzuleiten. Ein Beispiel dafür war die Frage, wie Führungskommunikation verbessert werden kann. Nach einem Workshop formulierten die Führungskräfte jeweils zwei konkrete Vorhaben für ihren eigenen Verantwortungsbereich. Diese wurden transparent dokumentiert und für alle zugänglich gemacht. So entstand Verbindlichkeit und aus einer allgemeinen Absicht wurde ein klarer Umsetzungsanspruch. Auch methodisch wurde ein Ansatz sichtbar, der auf Eigenverantwortung und Beteiligung setzte: Das Change-Team gab Impulse und behielt das Thema Kommunikation klar im Fokus. Die Führungskräfte waren in der Umsetzung ihrer innovativen Kommunikationsformate jedoch bewusst frei und gestalteten diese eigenständig für ihre jeweiligen Bereiche.
Ein weiterer Entwicklungsschritt bestand darin, dass die awm die Perspektive der Mitarbeitenden systematisch stärker einbezogen haben. Schnell wurde deutlich, dass der Wandel nicht allein über Führungskräfte getragen werden kann. Deshalb wurde eine Mitarbeitendenbefragung aufgesetzt, die in diesem Umfeld eine besondere Herausforderung darstellte: Ein großer Teil der Beschäftigten arbeitet nicht am Computer. Um trotzdem eine breite Teilnahme zu ermöglichen, wurden alternative Wege geschaffen, etwa über Papierfragebögen oder digitale Terminals vor Ort. Der Aufwand war hoch, doch er zahlte sich aus. Die Beteiligungsquote wurde nach Einschätzung aus dem Projekt vervielfacht. Gerade darin zeigt sich, was erfolgreiche Veränderung in der Praxis ausmacht: Beteiligung wird nicht nur angekündigt, sondern organisatorisch möglich gemacht. Auch dies passt zum Vorgehen von noventum, das die aktive Einbindung der Betroffenen bewusst in den Mittelpunkt stellt und Veränderung nicht allein als Managementaufgabe versteht.
Neue Formate, neue Routinen, neue Wirkung
Neben der Befragung entstanden aus dem Projekt heraus weitere konkrete Verbesserungen. Die bestehende Meetingstruktur wurde hinterfragt und neu gedacht. Aus Rückmeldungen wurden Maßnahmen im Change Team entwickelt, um Besprechungen zielgerichteter, passender besetzt und wirksamer zu gestalten. Darüber hinaus entstand mit „Treffpunkt Team“ ein neues Kommunikationsformat in Form von Teilbelegschaftsversammlungen. Es schafft heute einen festen Raum, in dem Betriebsleitung, Führungskräfte und Mitarbeitende in den Austausch kommen und aktuelle Themen offen ansprechen können. Auch hier wurde Veränderung nicht abstrakt behandelt, sondern in konkrete Formate übersetzt, die den Alltag der Organisation prägen. Parallel dazu festigten sich in Begleitung durch noventum consulting Rollen wie Product Owner und Agile Coach, strategische Maßnahmen wurden klarer gesteuert und Fortschritte sichtbar. So entstand eine Arbeitslogik, die Orientierung, Priorisierung und Umsetzung miteinander verbindet und transparente Kommunikation ermöglicht.
Veränderung so anlegen, dass sie bleiben kann
Ein zentrales Ziel der Zusammenarbeit war „Befähigung“. noventum zog sich schrittweise aus der operativen Begleitung zurück und blieb als Sparringspartner im Hintergrund verfügbar. Aus externer Unterstützung wurde damit interne Veränderungsfähigkeit. Wie sich diese Befähigung konkret in der Praxis entwickelt hat, beschreiben Dorothee Jäckering und Tanja Lüders aus dem Change Team:
Ich bin als Agile Goach gestartet, ganz nach dem Motto Learning by Doing, schon vor der Zusammenarbeit mit noventum. Die Expertise von noventum – in Person durch Jan Helmchen – hat mich in meiner fachlichen Weiterentwicklung in dieser Rolle praxisnah unterstützt.
Für mich war der Austausch und die enge Zusammenarbeit mit noventum auch deshalb besonders wichtig, weil ich im laufenden Prozess als neue Mitarbeiterin bei den awm die Rolle des Agile Coaches von meiner Kollegin Dorothee Jäckering übernommen habe, die in die interne Kommunikation gewechselt ist. Im Trio mit Frau Jäckering und Jan Helmchen hat die Übergabe super geklappt.
Auch über die intensive Projektphase hinaus bleibt die Zusammenarbeit anschlussfähig. Für weitere Begleitung und gezieltes Enablement haben die awm mit noventum einen vereinbarten Begleitrahmen geschaffen, eine Art „Wartungsvertrag“, der bei Bedarf flexibel genutzt werden kann. So bleibt zusätzliche Unterstützung dort verfügbar, wo sie sinnvoll ist, während die Verantwortung für die weitere Entwicklung klar in der Organisation verankert bleibt. Auch das entspricht dem letzten Schritt des noventum-Vorgehensmodells: Nach Planung und Umsetzung geht es um Reflexion, Feedback und strukturelle Absicherung, damit Veränderung nicht an einzelnen Personen oder einmaligen Initiativen hängen bleibt.
Fazit
Die awm haben ihren Strategie- und Transformationsprozess nicht nur inhaltlich weiterentwickelt. Sie haben gemeinsam Wege gefunden, Veränderung organisatorisch anschlussfähig zu machen. Aus einem Team, das zunächst nicht die volle Wirkung entfalten konnte, entstand Schritt für Schritt ein Modus, in dem Orientierung, Beteiligung, Führung und Umsetzung zusammenspielen. Über einen Zeitraum von zwei Jahren wurden rund 450 Mitarbeitende auf unterschiedlichen Ebenen in den Prozess einbezogen. Dabei ging es nicht darum, einen Kulturwandel abstrakt auszurufen. Es ging darum, ihn in Zielbilder, Arbeitsweisen, Kommunikationsformate und konkrete Verantwortlichkeiten zu übersetzen. Genau darin lag der Beitrag von noventum: nicht Veränderung zu verkünden, sondern ihr eine Form zu geben, die im Alltag funktioniert.
noventum consulting GmbH
Münsterstraße 111
48155 Münster
Christian Wedding,
Betriebsleiter awm, Product Owner im Changeteam
Jan Helmchen,
Management Consultant bei noventum
Dorothee Jäckering,
Agile Coach im Change Team, Interne Kommunikation bei der awm
Tanja Lüders,
Leitung Betriebswirtschaft & Verwaltung, Agile Coach im Change Team der awm